Worum es geht und was warum "Gestalt"?


"Werde der Du bist und versuche nicht jemand zu werden, der Du gerne sein möchtest!"

"Elefanten versuchen nicht Giraffen oder Schwalben zu werden, Radieschen versuchen nicht Rote Beete zu werden.
Aber wir versuchen zu sein, was wir nicht sind.
Wir ersticken in Idealen, die unerreichbar sind oder
die nur auf unsere eigene Kosten erreicht werden können.
Wir gehen auf Zehenspitzen, um nur ja nirgendwo anzustoßen,
und werden schließlich ärgerlich auf unsere Zehen,
wenn sie uns weh tun.

Zitat von Bruno Paul de Roeck


 

 

 

Was ist Gestalttherapie - wie wird dabei gearbeitet und warum "Gestalt"?

 

Gestalttherapie ist ein wirksames Verfahren aus dem großen Gebiet der humanistischen Therapie!

Wenn Sie zu ersten Mal zu einem/einer Gestalttherapeut/in kommen, dann wird er oder sie Sie vermutlich fragen:
"wie geht es Ihnen?" und Sie werden voraussichtlich antworten: "danke, es geht mir gut".

Ein guter Gestalttherapeut wird daraufhin lächend zu Ihnen sagen:
"Das wollte ich jetzt gar nicht hören! Ich möchte gerne wissen, was Sie gerade jetzt, in diesem Augenblick, hier bei mir erleben".

Sie werden vielleicht irritiert und verwirrt sein und überhaupt nicht verstehen was dieser Mensch gerade von Ihnen will.

Das ist ein typisches Szenario wenn jemand das erste Mal mit Gestalttherapie in Kontakt kommt. Man muss also zunächst Einiges verstehen, das ich versuche, hier in Kurzfassung zu beschreiben. Aber - Achtung!

Gestalttherapie kann man nicht beschreiben, man muss sie erleben!!!

Ich werde trotzdem versuchen Ihnen einen kleinen Einblick zu geben in das was in der Gestalttherapie geschieht.

Gerne können Sie sich auch zu einem meiner regelmäßigen "Gestalt-Schnupper-Wochenenden" oder "Tagen" anmelden, dann bekommen Sie auch das Gefühl für diese Arbeit und können die Wirkung unmittelbar an sich selbst erfahren.

In der Gestalttherapie geht es um das unmittelbare Erleben im Hier und Jetzt und darum was der Klient dabei erlebt, besser gesagt, wie er es gestaltet und erlebt.

Das Wort "Gestalt" bedeutet nichts anderes, als etwas das sich vom Hintergrund abhebt, sichtbar, erkennbar oder fühlbar wird.

Wenn Sie also zu mir in die Praxis kommen und ich nehme zuallererst Ihre Körperhaltung wahr, die vielleicht krank und beschwert wirkt, dann ist das was mir auffällt, das was in den Vordergrund tritt und sich vom Hintergrund, den ich noch gar nicht kenne, das was zu einer Gestalt wird.
Ich kann Ihre Körperhaltung sehen, also wahrnehmen. Nun geht es normalerweise bei mir los mit den Phantasien warum geht dieser Mensch so beladen? Ich kann alle möglichen Vermutungen haben. Das heißt, ich suche nach dem Hintergrund, nach dem warum? Doch zuerst ist da die Gestalt, die Wahrnehmung. 

Als Gestalttherapeutin werde ich aber nicht vermuten, sondern ich werde Ihnen meine Wahrnehmung mitteilen und Ihnen Gelegenheit geben mit mir über das, was ich wahr genommen habe zu sprechen. So entsteht zwischen uns ein Kontakt.

Es geht also um Wahrnehmung, um Kontakt und Beziehung, um um Wahrhaftigkeit und Authentizität, Wachstum und Lebendigkeit.

Ein Gestalttherapeut arbeitet erlebnis-, erfahrungsorientiert und existenziel und nutzt dazu verschiedene kreative Methoden, die dazu dienen Erfahrung zu ermöglichen um darüber alte Glaubensätze und schädliche Muster zu verändern. So kann Heilung entstehen.

 

 

 

 

 

 

 

Die Ursprünge

Die Gestalttherapie wurde ab Anfang der 40er Jahre von Fritz Perls und seiner Frau Lore Perls entwickelt. Beide waren Juden und sind während des Nationalsozialismus nach Afrika emigriert, später dann nach Amerika umgesiedelt. Dort wurde die Gestalttherapie zusammen mit dem Soziologen Paul Goodman in Amerika 1951 erstmals theoretisch formuliert.

Fritz und Lore Perls waren in Deutschland ausgebildete Psychoanalytiker. 
Sie verfolgten nicht nur ihre eigenen Grundideen, sondern ließen sich, auf Grund eigener krisenhafter Erfahrungen,  durch andere geistige Richtungen beeinflussen. 
Dazu gehören neben der Psychoanalyse 

  • die Existenzphilosophie, 
  • die Gestaltpsychologie, 
  • Zen-Buddhismus, 
  • das Psychodrama, 
  • die humanistische Psychologie, 
  • die Gruppendynamik und noch vieles andere. 


So hat sich die Gestalttherapie als ganzheitliches Therapieverfahren entwickelt, das die körperlich-seelisch-geistige Integration der Person in seiner Umwelt zum Ziel hat. 
Fritz und Lore Perls dachten an verschiedene Namen für die von ihnen entwickelte Therapieform, unter anderem an "Konzentrationstherapie", "Gewahrseinstherapie" oder "existenzielle Therapie". Sie entschieden sich dann aber für "Gestalttherapie", da sie, ähnlich wie die Gestaltpsychologie,  die Wahrnehmung in den Vordergrund stellt und sich mit den Besonderheiten der menschlichen Wahrnehmung beschäftigt.
Ein wichtiger Satz von Fritz Pers heißt:"Bewusstheit erzeugt Veränderung"!. Gestalttherapie unterstützt dabei, mehr Bewusstheit zu erlangen.

Laura Perls - Fritz Perls - Paul Goodmann
Letzte Änderung:27.10.2014